München, 21. September 2026. Anlässlich des 30. Jahrestags seiner Bischofsweihe würdigte Generalvikar Christoph Klingan in seiner Predigt Kardinal Reinhard Marx als einen Bischof, der das Evangelium aus der Gegenwart heraus verkünde, sich für die Einheit der Kirche einsetze und das Gespräch mit Menschen innerhalb und außerhalb der Kirche suche. Auf ausdrücklichen Wunsch des Erzbischofs von München und Freising hielt sein Generalvikar die Predigt in dem Pontifikalamt im Münchner Dom. Kardinal Marx dankte allen Mitfeiernden: „Für die Gemeinschaft, die ich erfahre. Für unser gemeinsames Zeugnis und für das Evangelium Jesu Christi, das uns verbindet“. Er brachte sein Selbstverständnis des Bischofsamtes mit einem Satz des heiligen Augustinus zum Ausdruck: „Für euch bin ich Bischof, mit euch bin ich Christ“ und ergänzte: „Das größte Geschenk unseres Lebens ist, dass wir gemeinsam Christen sind.“ Im Anschluss an den Gottesdienst waren alle Mitfeiernden zu einer Begegnung mit Kardinal Marx auf dem Domvorplatz eingeladen.
Klingan verwies auf das missionarische Verständnis des Bischofsamtes. In Anlehnung an Worte von Papst Leo XIV. beschrieb er einen Bischof, dessen Herz den Menschen offenstehe, nicht nur jenen, die bereits zur Gemeinschaft der Kirche gehören. An Marx gewandt sagte Klingan: „Ich meine, ein solcher missionarischer Bischof sind Sie, Herr Kardinal.“ Marx suche das Gespräch auch außerhalb kirchlicher Zusammenhänge und mit Menschen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen. Bereits in seinen früheren Aufgaben als Akademiedirektor und Weihbischof im Erzbistum Paderborn sowie später als Bischof von Trier sei spürbar gewesen: „Sie sind einfach interessiert am Mitmenschen und lassen umgekehrt die anderen auch gerne teilhaben an dem, was Sie bewegt.“
Ausgehend von Caravaggios Gemälde „Die Berufung des Matthäus“ stellte Klingan den Begriff der Berufung in den Mittelpunkt seiner Predigt. Ein zentraler Aspekt im Wirken von Marx sei „eine zeitsensible Auslegung und Verkündigung des Evangeliums“, sagte der Generalvikar. Dies bedeute, „nicht beliebig, nicht aktuellen Trends folgend“, sondern mit einem Blick darauf, „was jetzt in der Gegenwart gefragt ist, wo sich Zeichen der Zeit auftun“. Christinnen und Christen seien gerufen, die Welt im Licht der Botschaft Jesu zu sehen und zu deuten und daraus auch Konsequenzen für ihr Handeln zu ziehen.
Als ein wesentliches „Gebot der Stunde“ bezeichnete Klingan den Einsatz für Einheit und Frieden – sowohl in der Welt als auch innerhalb der Kirche. Der dem Bischof aufgetragene Dienst der Einheit habe dabei „ebenso wenig Uniformität wie Beliebigkeit zum Ziel“. Vielmehr gehe es in der Kirche insgesamt um eine „Einheit in der Vielfalt“, die in Jesus Christus und dessen Botschaft gründe. Die Vielfalt sei dabei nicht als Bedrohung, sondern als Reichtum zu verstehen, sofern sie diese gemeinsame Mitte im Blick behalte.
Auch Marx’ Bemühen um eine synodale Kirche griff der Generalvikar auf. Synodalität sei anspruchsvoll, weil sie „große Offenheit aller Beteiligten“ erfordere. Sie solle dazu beitragen, Menschen in der Kirche zusammenzuführen und trotz unterschiedlicher Positionen nach Gemeinsamkeiten zu suchen. Zum Abschluss dankt Klingan Marx für dessen bisheriges Wirken: „Ein aufrichtiges Vergelt’s Gott für Ihren bischöflichen Dienst und Ihr Glaubenszeugnis.“ Zugleich wünsche er ihm Gottes Segen für die weitere vor ihm liegende Zeit als Erzbischof von München und Freising und gratulierte ihm zu seinem 73. Geburtstag.
Reinhard Marx wurde am 21. September 1996 im Paderborner Dom zum Bischof geweiht. Nach seiner Zeit als Weihbischof in Paderborn wurde er 2001 Bischof von Trier. Seit 2008 ist er Erzbischof von München und Freising. (rs)