München, 6. November 2026. Anlässlich des dreißigjährigen Bestehens der Bäuerlichen Familienberatung in der Erzdiözese München und Freising hat Christoph Klingan, Generalvikar der Erzdiözese München und Freising, die Arbeit der Haupt- und vor allem auch Ehrenamtlichen gewürdigt, die dieses Unterstützungsangebot seit Jahrzehnten ermöglichten: „Sie tun ihren Dienst mit viel Engagement und Fachwissen. Sie begleiten und beraten in Krisenzeiten und in eskalierten Familiensituationen“, sagte Klingan am Freitag, 6. November, bei einem Festakt auf dem Petersberg bei Erdweg, Landkreis Dachau. Die Arbeit der Bäuerlichen Familienberatung ist laut Klingan geprägt „von gegenseitigem Vertrauen und Respekt“ und getragen von „einer lebendigen christlichen Spiritualität“, zu der „Gottvertrauen, Zuversicht und Wertschätzung“ gehörten.
Die Landwirtschaft stehe weiterhin vor großen Herausforderungen, erklärte Klingan. Dazu zählten staatliche Vorgaben wie gesellschaftliche Anforderungen, Nachweispflichten und Kontrollen, der Klimawandel und neue Techniken. Dies alles sei verbunden mit hohen Investitionskosten, die den Betrieben zusetzten. Seit Beginn des Beratungsangebots sei die Zahl der jährlichen Beratungsprozesse von 50 auf 150 gestiegen. Dafür würden derzeit rund 650 Beratungsstunden pro Jahr geleistet. Um diese Arbeit zu unterstützen, stelle die Erzdiözese verschiedene Angebote bereit: „Fortbildungen, Supervision, kollegiale Beratung gehören hier dazu“. Der Generalvikar versicherte, dass die Erzdiözese weiterhin zu dem von ihr getragenen Angebot der Bäuerlichen Familienberatung stehe, um auch zukünftig engagierte Menschen zu unterstützen, die an der Seite von Landwirtinnen und Landwirten stehen, „die zuhören, begleiten, in Konflikten vermitteln, schlicht Hoffnung schenken und Zuversicht geben“.
Klingan verwies in seiner Ansprache auf die Lebensbedingungen von landwirtschaftlichen Familien, die „in der Regel mit mehreren Generationen auf dem Hof leben und arbeiten“, während zeitgleich durch die hohe Arbeitsbelastung Freizeit und Erholung oft auf der Strecke blieben. Dies habe zur Folge, „dass Generationenkonflikte, Paarkonflikte, Streitigkeiten unter Geschwistern, psychische und körperliche Überlastung entstehen können.“ Um diese komplexen Herausforderungen zu bewältigen, bräuchten bäuerliche Betriebe „stabile Persönlichkeiten, Familien und spezialisierte Beratungsangebote, die auch bei steuerlichen, juristischen und landwirtschaftlichen Fragen helfen.“ Vor dem Festakt feierte Klingan mit den Jubiläumsgästen einen von der Bäuerlichen Familienberatung mitgestalteten Gottesdienst in der Basilika am Petersberg.
Die Bäuerliche Familienberatung wurde im September 1996 von der Erzdiözese München und Freising ins Leben gerufen. Das von der Erzdiözese finanzierte Angebot versteht sich als eine ganzheitliche Beratung für Bäuerinnen und Bauern und steht diesen in schwierigen familiären, persönlichen oder wirtschaftlichen Lebens- und Arbeitssituationen zur Seite – vor Ort, telefonisch oder auch online. Zwei Hauptamtliche und 19 Ehrenamtliche, darunter Familientherapeutinnen und -therapeuten, Mediatorinnen und Mediatoren, Sozialarbeiterinnen und -arbeiter, Supervisorinnen und Supervisoren, systemische Beraterinnen und Berater und eine Seelsorgerin, verwurzelt und erfahren in der Landwirtschaft, beraten Einzelpersonen, Paare und Familien in den landwirtschaftlichen Betrieben. Der Dienst ist kostenfrei, jede Beratung unterliegt der Schweigepflicht. Für Angehörige und für Betroffene existieren darüber hinaus noch zwei Selbsthilfegruppen für psychische Gesundheit und Depression. (fho)
Hinweis:
Die Pressestelle vermittelt interessierten Medienvertreterinnen und -vertretern unter 089/2137-1263 oder per E-Mail an pressestelle@erzbistum-muenchen.de. Kontakt zu Ansprechpartnerinnen und -partnern für Interviews, darunter Peter Bartlechner, Leiter der Bäuerlichen Familienberatung, sowie ein Ehrenamtlicher, der seit 30 Jahren bei der Bäuerlichen Familienberatung engagiert ist.