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Gerettete Meisterwerke im Diözesanmuseum Freising

Ausstellung mit Werken aus Erdbebenregion fragt, warum Kunst gerettet wird – und wie sie retten kann Eröffnung der Sonderschau „S.O.S. Save our Souls!“ mit Kardinal Reinhard Marx

München/Freising, 15. Oktober 2026. Unter dem Titel „S.O.S. Save our Souls!“ versammelt das Diözesanmuseum Freising in seiner neuen Sonderausstellung kostbare Arbeiten aus Spätgotik und Renaissance von führenden italienischen Künstlern wie Lorenzo Lotto und Carlo Crivelli. Sämtliche Werke stammen aus den italienischen Marken, der Region im Osten des Landes zwischen Apennin und Adria, die in den Jahren 2016 und 2017 von schweren Erdbeben heimgesucht wurde. Mehr als 300 Menschen verloren damals ihr Leben. Aus den Trümmern der Kirchen wurden in den vergangenen Jahren systematisch Kunstwerke geborgen und mit öffentlichen Geldern restauriert. Eine Auswahl der kostbarsten Arbeiten ist nun im Diözesanmuseum Freising zu sehen. Die gezeigten Meisterwerke und ihre Geschichte konfrontieren die Besucher mit der Frage: Wir retten Kunst – rettet uns die Kunst? Kardinal Reinhard Marx eröffnet am Sonntag, 18. Oktober, um 17 Uhr die Ausstellung im Rahmen eines Festakts für geladene Gäste.

Verschiedene italienische Institutionen statten die Ausstellung in Freising mit 20 Leihgaben aus. Darunter befindet sich Lorenzo Lottos „Verkündigung an Maria“ (1533-1535), eines der Hauptwerke im Schaffen des venezianischen Malers, das exemplarisch für dessen psychologisierende Malweise steht. In dieser ungewöhnlichen Verkündigung ist Maria deutlich das Erschrecken über das übernatürliche Ereignis anzusehen. „Und wieder passiert, was immer dann passiert, wenn große Kunst ihre Wirkung entfaltet: Wir können mit Maria empfinden, dass das, was in dieser Sekunde geschieht, gewaltig ist. Mit einem Mal stehen wir auf Marias Seite. Lorenzo Lotto drückt aus, was die Heilige Schrift sagt: Sie ist eine von uns. Gott kommt zu euch, er ist da – durch sie gehört er zu uns“, schreibt Kardinal Marx in einem Katalogbeitrag zu diesem Bild.

Mit dem Polyptychon von Massa Fermana zeigt die Ausstellung einen ganzen Altar des venezianischen Malers Carlo Crivelli. Es war sein erstes Werk in den Marken, das durch illusionistische Details, markant gezeichnete Charakterköpfe und reiche Verzierungen und Vergoldungstechniken glänzt. Marco Palmezzanos gewaltiger Altar aus der Franziskanerkirche von Matelica (Pala di Matelica, 1501)  versammelt Heilige und Selige des Franziskanerordens, zeigt lokale Bezüge sowie die Heilsgeschichte von der Menschwerdung Jesu Christ und verweist bis in die Gegenwart der gläubigen Betrachter, die einst vor diesem Altar die Messe feierten.

Die Frage, ob Kunst retten kann, stellt sich den Besuchern vor allem auch mit Blick auf die verschiedenen Heiligenbilder, die die Ausstellung präsentiert, wie etwa Pietro Alamannos „Schutzmantelmadonna mit den Heiligen Genesius und Vinzenz Ferrer“ (1485). Das Bild der Madonna, unter deren bergendem Mantel die Gläubigen Rettung finden, während die weniger Frommen draußen zugrunde gehen, stellt drastisch die Gefühlslage der Menschen im ausgehenden 15. Jahrhundert angesichts hereinbrechender Bedrohungen (in diesem Fall der Pestausbruch von 1485) vor Augen. Der Künstler Pietro Alamanno (‚Pietro der Deutsche‘), eigentlich Peter Grill aus Göttweig, ist einer der zahlreichen belegbaren nordalpinen Einwanderer in den Marken, die die internationale Attraktivität des Landstrichs bezeugen, der nun im Zentrum der neuen Sonderausstellung des Diözesanmuseums steht.

Der Audioguide zu „S.O.S. Save our Souls!“ bietet statt einer klassischen kunsthistorischen Führung einen Podcast-Rundgang aus ungewohnter Perspektive. In zehn kurzen Gesprächen führt Bert te Wildt, Chefarzt der Psychosomatischen Klinik Kloster Dießen, durch die Ausstellung und erklärt weniger die Bilder an sich, sondern schaut als Psychiater und Psychotherapeut auf das, was sie erzählen: Geschichten über Schutz und Bindung, Leid und Schuld, Schönheit, Sinn und Trost. (kjk/ck)

Hinweise:

Journalistinnen und Journalisten, die an der nicht öffentlichen Ausstellungseröffnung am Sonntag, 18. Oktober, teilnehmen möchten, melden sich bitte per E-Mail an pressestelle@erzbistum-muenchen.de oder unter Telefon 089/2137-1263 an.

Die Sonderausstellung „S.O.S. Save our Souls“ im Diözesanmuseum Freising läuft von 20. Oktober 2026 bis 4. April 2027 und kann täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr sowie donnerstags bis 20 Uhr besucht werden. Das DIMU-Restaurant lädt jeden Donnerstag ab 18 Uhr zum Aperitivo-Abend mit Spezialitäten aus den italienischen Marken ein.

Pressefotos zum Download

Bitte beachten Sie den Bildnachweis, den Sie jeweils unter dem Titel finden. 

Verkündigung an Maria
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Verkündigung an Maria

Lorenzo Lotto (Venedig, 1480 – Loreto, 1557), um 1533-1535 Öl auf Leinwand, 166 x 114 cm Recanati, Städtische Museen, Villa Colloredo Mels (Dauerleihgabe der Stiftung IRCER) Bildrecht: Diözesanmuseum Freising Riccardo Garzarelli

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Thronende Madonna mit dem Kind und den Heiligen Antonius Abbas und Julianus Hospitator
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Thronende Madonna mit dem Kind und den Heiligen Antonius Abbas und Julianus Hospitator

Allegretto Nuzi (nachweisbar ab 1345 – gestorben 1373/74) 1369 Tempera auf Holz, gesamt 121 x 147 cm Macerata, Dom San Giuliano Bildrecht: Diözesanmuseum Freising Riccardo Garzarelli

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Schutzmantelmadonna mit den hll. Genesius und Vinzenz Ferrer
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Schutzmantelmadonna mit den hll. Genesius und Vinzenz Ferrer

Pietro Alamanno (Peter Grill, Göttweig um 1430 – Ascoli Piceno, 1497/98) 1485 Tempera auf Holz, 190 x 180 cm San Ginesio, Stiftskirche Santissima Annunziata (aktuell deponiert in San Severino Marche, MARec – Museo d’arte recuperata) Bildrecht: Diözesanmuseum Freising Riccardo Garzarelli

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Polyptychon von Massa Fermana
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Polyptychon von Massa Fermana

Carlo Crivelli (Venedig, um 1430 – Marken (Ascoli Piceno?), 1494/95) 1468 Tempera und Vergoldung auf Holz, gesamt ca. 200 x 190 cm Massa Fermana, Kirche Santi Lorenzo, Silvestro e Ruffino Bildrecht: Diözesanmuseum Freising Riccardo Garzarelli

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Heiliger Christophorus
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Heiliger Christophorus

Nachfolger des Paolo di Giovanni da Visso Castelsantangelo sul Nera, 1475 Abgenommenes Fresko auf Trägergrund, 323,5 x 161 cm Castelsantangelo sul Nera, Kloster San Liberatore Bildrecht: Diözesanmuseum Freising Riccardo Garzarelli

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Heiliger Sebastian mit Betenden
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Heiliger Sebastian mit Betenden

Vittore Crivelli (Venedig, 1435/39 – Marken, Fermo?, 1501/02) Um 1485-1487 Tempera und Vergoldung auf Holz, 105 x 79 cm Montegiorgio, Kirche Santi Giovanni Battista e Benedetto Bildrecht: Diözesanmuseum Freising Riccardo Garzarelli

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BU: Bergung und Restaurierung von Kunstwerken aus den italienischen Marken, nachdem dort Erdbeben zwischen 2016 und 2017 hunderte Kirchen zerstört haben.

Bitte beachten Sie den Bildnachweis, den Sie jeweils unter dem Titel finden. 

Bergung
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Bergung

Gruppo Protezione Civile Legambiente Beni Culturali Marche

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Bergung 1
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Bergung 1

Gruppo Protezione Civile Legambiente Beni Culturali Marche

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Bergung 2
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Bergung 2

Gruppo Protezione Civile Legambiente Beni Culturali Marche

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Bergung 3
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Bergung 3

Gruppo Protezione Civile Legambiente Beni Culturali Marche

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