Begegnung 1
Kardinal Reinhard Marx im Gespräch beim „5. Tag der Begegnung“ der Erzdiözese München und Freising in Schloss Nymphenburg.
München, 16. Oktober 2026. Viele Betroffene sexuellen Missbrauchs haben beim von der Erzdiözese München und Freising veranstalteten „5. Tag der Begegnung“ die Möglichkeit zum Austausch genutzt und sich über neue Angebote zur Begleitung und Unterstützung informiert. Im Namen der gesamten Erzdiözese München und Freising dankten Kardinal Reinhard Marx, Generalvikar Christoph Klingan und Amtschefin Stephanie Herrmann den Betroffenen für deren Kommen und nachhaltiges Engagement. „Wir sind auf einem guten Weg, aber er wird nicht zu Ende gehen. Das haben wir in einem Kreis der Betroffenen gesagt. Wir brauchen solche Begegnungen“, so der Erzbischof von München und Freising im Rahmen der Veranstaltung am Freitag, 16. Oktober, in Schloss Nymphenburg in München.
„Wir benötigen auch das geistliche Angebot. Das wird fortgesetzt“, sagte Marx. Das Angebot müsse so breit sein, „dass auch Menschen, die eigentlich mit der Kirche fast nichts mehr zu tun haben, doch angesprochen sind“. Dies sei auch der Sinn seiner 2020 gegründeten Stiftung Spes et Salus: „auch gerade auf die Leute zuzugehen, die sagen, der Missbrauch hat meinen Glauben beschädigt oder sogar meinen Glauben zerstört. Diesen Menschen zu helfen, ist mir ein großes Anliegen.“ Mit Blick auf die ersten Gespräche mit Betroffenen im Jahr 2010 sagte der Kardinal: „Das ist schon ein Weg gewesen, den ich am Anfang nicht einmal geahnt habe. Ich kann das nicht ohne große Erschütterung sagen. Ich bin sehr dankbar, dass Sie uns auch immer wieder daran erinnern. Ich bin sehr dankbar für diese Entwicklung der letzten Jahre.“
Generalvikar Klingan dankte den mehr als 40 anwesenden Betroffenen und Angehörigen für ihr Kommen und betonte die Relevanz des direkten Dialogs. Auch der Betroffenenbeirat der Erzdiözese sei und bleibe „ein zentraler Gesprächspartner, der die Perspektive und Anliegen von Betroffenen aktiv einbringt und die Arbeit der Erzdiözese kritisch-konstruktiv begleitet“. Etliche seiner Initiativen habe die Erzdiözese unterstützt. Als Beispiel nannte Klingan die vor kurzem veröffentlichte sozialwissenschaftliche Studie zu Vorwürfen physischer, psychischer und sexueller Gewalt am Studienseminar St. Michael in Traunstein (1960 bis 1990). „Doch weder solche Studien noch unsere anderen Bemühungen können Leid ungeschehen machen. Umso mehr gilt es, alles zu tun, um Missbrauch in der Erzdiözese München und Freising in Zukunft bestmöglich zu verhindern.“ Amtschefin Herrmann dankte den Anwesenden ebenfalls für ihr Kommen: „Unser Anliegen ist, mit Ihnen ins Gespräch zu kommen, Ihre Wünsche zu erfahren, Betroffene über die Angebote der Erzdiözese München und Freising zu informieren und, soweit es uns möglich ist, Ihre Fragen zu beantworten.“
Gisela Engel, Stellenleiterin der Ehe-, Familien- und Lebensberatung (EFL) im Kreis Rosenheim und Wasserburg, stellte die EFL und ihr Angebot für Familien von Betroffenen vor. „Was geschehen ist, endet meist nicht bei den unmittelbar Betroffenen“, so Engel. Die Auswirkungen reichten oft weit ins Familiensystem hinein und seien häufig generationsübergreifend. Die EFL ist online erreichbar unter http://www.erzbistum-muenchen.de/eheberatung-oberbayern sowie per Mail an info@eheberatung-oberbayern.de oder telefonisch unter 089-54 43 11-0. Frank Beyersdörfer, langjähriger Geistlicher Begleiter und Ausbilder für geistliche Begleitung, stellte sich als neue Ansprechperson für Verdachtsfälle spirituellen Missbrauchs im Bereich der Erzdiözese München und Freising vor. Er ermutigte mutmaßlich Betroffene von spirituellem Missbrauch, ihre Situation im Gespräch zu klären. „Personen, die kommen, entscheiden selbst, wenn spiritueller Missbrauch vorliegt oder vorzuliegen scheint, ob sie dann weitere Schritte gehen“, so Beyersdörfer. Zudem stellte sich Clara Schönfelder als neue Mitarbeiterin der Anlauf- und Beratungsstelle für Betroffene im Bereich der Erzdiözese vor. Die Pastoralreferentin bezeichnete Spiritualität als eine der Kernkompetenzen der Kirche: „Und da sichere Räume zu schaffen, ist mir ein hohes Anliegen.“
Richard Kick, Sprecher des Betroffenenbeirats, präsentierte die Broschüre „5 Jahre Arbeit des Betroffenenbeirats“. Er dankte Kardinal Marx, Generalvikar Klingan und Amtschefin Herrmann für die kontinuierliche Zusammenarbeit, den nachhaltigen Austausch und die vielfältige Unterstützung. „Das war nicht selbstverständlich und ist bis heute nicht selbstverständlich in vielen Diözesen Deutschlands.“ Möglich gewesen sei die konstruktive Zusammenarbeit, weil von Anfang an klar gewesen sei, „dass es nur gemeinsam geht“. Viele Betroffene hätten menschliche und finanzielle Hilfe erhalten und das Gefühl, „es passiert was, es geht was voran, Kirche bewegt sich“, so Kick. (hs)
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Kardinal Reinhard Marx im Gespräch beim „5. Tag der Begegnung“ der Erzdiözese München und Freising in Schloss Nymphenburg.
Stellten beim „5. Tag der Begegnung“ ihre Angebote für Betroffene vor (von links): Clara Schönfelder, Frank Beyersdörfer und Gisela Engel.
Richard Kick, Sprecher des Betroffenenbeirats, mit der Broschüre „5 Jahre Arbeit des Betroffenenbeirats“, links Generalvikar Christoph Klingan, rechts Amtschefin Stephanie Herrmann