München, 2. November 2026. Kardinal Reinhard Marx hat daran erinnert, dass es zum Auftrag der Kirche gehöre, in ihren caritativen und sonstigen Einrichtungen dazu beizutragen, dass niemand allein sterben müsse. „Das ist unser Zeugnis inmitten dieser Welt. Dass die Menschen nicht von der Hand, sondern an der Hand eines anderen sterben und in die neue Wirklichkeit des Todes hinübergehen“, sagte der Erzbischof von München und Freising am Fest Allerseelen am Montagabend beim Requiem für die verstorbenen Bischöfe und Erzbischöfe des alten Bistums Freising und der Erzdiözese München und Freising im Münchner Dom. In Gedenken an Papst Benedikt XVI. und dessen Lebensmotto „Wer glaubt, ist nicht allein“ betonte er: „Wir Menschen sind nicht allein: Das ist die wunderbare Kernbotschaft des heutigen Tages, die der Tod nicht vernichten kann. Alles andere kommt danach. Daher ist die Feier der Eucharistie so wichtig, weil sie Raum, Zeit und die Schwelle des Todes durchbrechen kann.“
Auch wenn das Allerseelen-Fest ein Tag der traurigen Rückschau bleibe, so Marx, an dem viele Menschen mit ihren verstorbenen Angehörigen verbunden seien, gehe davon zugleich eine kraftvolle Botschaft aus: „Der Tod ist keine Barriere von den Menschen, die wir geliebt haben, und erst recht nicht von der Liebe Gottes.“ Die Menschen sollten immer wieder dafür beten, unterstrich er in seiner Predigt, „dass uns dieser Glaube kräftigt und stärkt, dass wir das Leben lieben und den Tod als unseren Freund mit auf die Reise unseres Lebens nehmen“. Ihm reiche es zu wissen, so Marx weiter, dass Gott da sei: „Ich gehe mit ihm, und ich bin in Gemeinschaft mit denen, die ich liebe und die mich geliebt haben.“ Auch wenn die Menschen als „irdische Wesen“ nicht wissen könnten, wie es nach dem Tod weitergehe, bleibe der Glaube und die Überzeugung, nicht allein zu sein. „Wenn ich selbst um eine gute Stunde des Sterbens bete – und ich tue das oft –, auch möglichst ohne Schmerzen und nicht allein, ist das kein trauriges Gebet, sondern eines der Zuversicht.“
Er sehe es manchmal mit Bedauern, so der Kardinal weiter, “wie sich die Beerdigungskultur in unserem Land verändert, auch hier in Bayern“. Er würde sich wünschen, dass Beerdigungen wieder stärker zu einem Fest des Lebens und des Glaubens gemacht werden, „einem Ort des Zeugnisses für das Leben, an dem wir sagen: Ja, wir glauben und wir sind nicht allein, nicht im Leben und auch nicht im Sterben“. Das sei das wahre österliche Zeugnis, so Marx, „das wir der heutigen Welt schuldig sind“. (hor)