Lade Bild...
„Das gedeihliche Zusammenleben aller Menschen sichert unsere Zukunft, nicht die Vorherrschaft Einzelner“, betont Kardinal Reinhard Marx.

„Demokratie erfordert den Beitrag aller!“

Wie steht es um unsere Demokratie in Zeiten wachsender Krisen und gesellschaftlicher Spannungen, kann sie die Probleme noch lösen? Kardinal Reinhard Marx plädiert in seinem Radiobeitrag „Zum Sonntag“ dafür, sich wieder stärker auf das zu besinnen, was einen freiheitlichen Rechtsstaat trägt: die Würde jedes Menschen, gemeinsame Verantwortung und die Orientierung am Gemeinwohl.

Angesichts aktueller politischer Herausforderungen ruft Kardinal Reinhard Marx zu einem entschiedenen Einsatz für die Demokratie auf. „Auch Demokratie erfordert den Beitrag aller! Es geht um das Gemeinwohl!“, so der Erzbischof von München und Freising in einem Beitrag für die Rundfunkreihe „Zum Sonntag“, der am Sonntag, 4. Oktober, auf Bayern 2 ausgestrahlt wird. In einer komplexen politischen Lage brauche es eine Vergewisserung der Grundlagen und Ziele des freiheitlich-demokratischen Rechtsstaates und Gemeinwesens.

Zitatgeber
Lade Bild...

„Jeder ist mitverantwortlich für das Wohl des Ganzen. Auch Demokratie erfordert den Beitrag aller! Es geht um das Gemeinwohl!“

Kardinal Reinhard Marx

Marx erinnert an einen gemeinsamen Beitrag der katholischen und evangelischen Kirche in Deutschland vor zwanzig Jahren, in dem dafür geworben wurde, dass Demokratie nicht nur Institutionen, sondern auch Tugenden brauche. Es gehe darum, die Verantwortung für die Zukunft des Gemeinwesens stärker in den Blick zu nehmen. Ein Schlüssel dafür sei „die Ausrichtung aller am Wohl aller“.

Aus Sicht der christlichen Soziallehre setze diese Orientierung am Gemeinwohl voraus, dass die gleiche Würde aller Menschen nicht von einem Mehrheitsvotum abhänge, sondern allem politischen Handeln vorgelagert sei, betont der Erzbischof. Dieser Bezug auf das nicht dem Menschen Verfügbare sei die Maxime, um Freiheit und Gleichheit zu bewahren und zugleich stets das Gemeinwohl anzuzielen. „Das könnte“, so Marx, „auch der erste Maßstab sein, um Rüstungsinvestitionen zunächst daran zu bemessen, ob sie wirklich dem Frieden dienen.“

Eine freiheitliche Demokratie dürfe nicht die Herrschaft einiger oder auch der Mehrheit über alle anderen bedeuten, sagt Marx. Ein Kriterium sei, „ob Verantwortliche die Einheit stärken wollten oder ob sie versuchten, zu spalten“. Mit Blick auf Papst Leo XIV. erinnert Marx an dessen Aufruf an junge Menschen: „Stiftet Gemeinschaft!“ Genau das brauche Demokratie: eine Gemeinschaft, „die am Wohl der ganzen Menschheitsfamilie orientiert ist und die Würde des Einzelnen schützt. Eine Gemeinschaft eben, die in der Vielfalt die Einheit sucht." (glx/af)

Hör-Tipp

Der Hörfunkbeitrag wird am Sonntag, 4. Oktober, um 7.25 Uhr auf Bayern 2 Radio in der Reihe „Zum Sonntag“ ausgestrahlt und kann beim Bayerischen Rundfunk gelesen und angehört werden.